Eine Wohnung in Frankreich finden in 3 Schritten

Eine Wohnung in Frankreich finden in 3 Schritten

Bonjour !

Du hast dich entschieden, zum Studieren oder Arbeiten nach Frankreich zu ziehen? Bravo! Hier erkläre ich dir die wichtigsten Schritte, um in Frankreich eine Wohnung zu finden und deinen Umzug zum Erfolgserlebnis zu machen.        

 

Zugegeben… mein eigener Umzug nach Frankreich lief etwas chaotisch ab. Nach meinen geregelten Erfahrungen mit deutschen Studentenwohnheimen (« hier unterschreiben, danke, fertig ») war die Konfrontation mit der französischen Bürokratie ein Sprung ins kalte Wasser.

Nicht dass Deutschland unbürokratischer wäre… aber vieles ist für uns einfach selbstverständlich! Wir besitzen alle wichtigen Dokumente, ohne uns je groß darum gekümmert zu haben, sind beim Meldeamt registriert und sozialversichert, haben ein Bankkonto und schauen es beim Stromvertrag unseren Eltern ab.

Das ist im Ausland anders. In Frankreich war ich unbekannt. Nie gemeldet, nie versichert, keine Unterlagen, kein Konto.

Einige der für den Mietvertrag in Frankreich benötigten Dokumente waren für mich völlig neu, andere mussten erst teuer beglaubigt übersetzt werden. Und ich gebe zu, einen richtigen Stromvertrag hatte ich selbst in Deutschland noch nie abgeschlossen… kein Wunder also, dass mich das Einleben in Frankreich ab und zu an den Rand der Verzweiflung getrieben hat!

Um dir also einen ebenso mühsamen Spießrutenlauf zu ersparen, gebe ich dir hier alle nötigen Tipps, um deinen Umzug nach Frankreich in 3 Etappen zu meistern!

 

  1. Eine Wohnung in Frankreich finden
    … als Student
    … als Berufstätiger
  2. Eine Wohnung in Frankreich mieten
    … als Student
    … als Berufstätiger
    Einen französischen Mietvertrag unterschreiben
  3. Hausratsversicherung und Verträge abschließen

 

1. Eine Wohnung in Frankreich finden

Wie du deine Wohnungssuche am Besten organisierst, hängt in erster Linie von deinem Status ab. Als Student kannst du auf verschiedene Unterstützungen vonseiten der Universität und des französischen Staates zählen. Wenn du bereits fest im Arbeitsleben stehst, hast du davon wenig – dafür kannst du deine letzten Gehälter und einen Arbeitsvertrag vorweisen, hilfreiche Garanten bei der Wohnungssuche!

Bevor du loslegst, hier die wichtigsten Abkürzungen, auf die du bei der Wohnungssuche in Frankreich regelmäßig stoßen wirst:

  • Studio: 1-Zimmer-Wohnung mit Kochnische
  • T2 oder F2: 2-Zimmer-Wohnung (T und F stehen beide für die Anzahl der Zimmer zuzüglich Küche und Bad)
  • T3/T4/T5 oder F3/F4/F5… : du hast es erraten – je höher die Zahl hinter dem T oder F, desto mehr Zimmer hat deine Wohnung!
  • SdB: salle de bains – Badezimmer mit Wanne
  • Salle d’eau: Badezimmer mit Dusche
  • RdC: rez-de-chaussée – Erdgeschoss
  • Asc: ascenseur – Aufzug
  • CC: charges comprises – Nebenkosten inklusive (Achtung! Mit Nebenkosten sind der Unterhalt des Gebäudes, ein allgemeiner Putzdienst und die Müllabfuhr gemeint! Nicht zu verwechseln mit den zusätzlichen Kosten für Strom und Wasser.)

           

1.1. Als Student eine Wohnung in Frankreich finden

Egal ob für ein Erasmus-Semester oder einen zweijährigen Masterstudiengang, als Student stehen dir bei der Wohnungssuche in Frankreich viele Optionen offen!

 

Die universitäre Privatunterkunft

Die erste Anlaufstelle ist natürlich deine Universität in Frankreich. Sobald du dich für eine Uni entschieden hast, schau dich auf ihrer Website um! Manche Universitäten bieten ihren Studenten Unterkünfte an, wie zum Beispiel die Cité Internationale Universitaire de Paris. Wie du vorgehen musst, um an eine solche Unterkunft zu gelangen, hängt von der Universität ab – die nötigen Infos findest du direkt auf der zugehörigen Website. Außerdem hat jede Uni in der Regel auch ein Büro oder einen speziellen Pôle accueil für internationale Studenten, an das du dich mit allen weiteren Fragen persönlich richten kannst.

 

Das öffentliche Studentenwohnheim

Falls du auf diese Weise nicht fündig wirst, probier’s mit Variante zwei! In jeder französischen Großstadt gibt es, wie auch in Deutschland, eine ganze Reihe von Studentenwohnheimenrésidences étudiantes. Die werden in der Regel vom sogenannten Centre régional des oeuvres universitaires et scolaires, kurz CROUS, verwaltet: eine öffentliche Einrichtung, deren Rolle es ist, Studenten finanziell sowie bei der Wohnungs- und Jobsuche zu unterstützen. Als ausländischer Student hast du dabei ganz genau dieselben Ansprüche auf Unterstützung wie ein gebürtiger Franzose!!

So geht’s: Um dich für ein Zimmer in einem Studentenwohnheim zu bewerben, musst du dich zunächst auf der offiziellen Seite des Bildungsministeriums einschreiben und angeben, dass du dich um einen Platz im Wohnheim bewirbst. Anschließend läuft die Vergabe der verfügbaren Zimmer in zwei Phasen ab: in Phase eins, der phase principale, von April bis Mitte Juni, werden Zimmer an Studenten vergeben, die Recht auf soziale Unterstützung haben.       


Achtung, dafür müsstest du, ähnlich wie für einen deutschen BAföG-Antrag, zwischen Januar und Mitte Mai ein Dossier social étudiant erstellen. Die Chancen auf Erfolg sind für ausländische Studenten aber relativ mager. Um die nötigen Nachweise   zusammenzustellen, benötigst du außerdem mehrere beglaubigte Übersetzungen deutscher Dokumente – und das ist teuer! Wenn du nicht absolut sicher bist, Recht auf finanzielle Förderung zu haben (testen kannst du das ganz einfach mit diesem Simulator), rate ich dir von diesem Schritt ab.


Die zweite Phase, phase complémentaire, richtet sich im Anschluss, von Anfang Juli bis Ende September, an alle übrigen, und vor allem ausländische, Studenten. Hier kannst du dich dann ganz einfach um einen der übrigen Wohnheimplätze bewerben.

 

Der Vorteil: Dein Zimmer ist in aller Regel günstig und möbliert und du bist von anderen Studenten aus aller Herren Länder umgeben – Geselligkeit vorprogrammiert!

Der Nachteil: Das Studium beginnt in Frankreich bereits Anfang September – und ob du tatsächlich ein Zimmer bekommst, erfährst du erst relativ spät. Schau dich darum auf jeden Fall nach einer Alternative um, um nicht Anfang September mit deinem Gepäck auf der Straße zu stehen!

 

Mehr Infos zur Bewerbung auf einen Wohnheimplatz des CROUS findest du hier (auf Französisch).

 

Die private Residenz

Nebst den öffentlich betriebenen Studentenwohnheimen gibt es auch viele private Residenzen mit kleinen Wohnungen speziell für Studierende. Hier hast du deine eigenen, in aller Regel gut ausgestatteten, vier Wände – allerdings zu deutlich höherem Preis als in einem Studentenwohnheim. Angebote findest du bei Adele.

 

Die Studenten-WG

Anschließend gibt es in Frankreich, wie auch in Deutschland, natürlich mehrere Alternativen zum Wohnheim. Die sicher überall populärste Option: ein Zimmer in einer Studenten-WG! Für deine Suche stehen dir hier unzählige Webseiten zur Verfügung. Am Besten beginnst du auf Le Bon Coin (das französische Ebay) in der Rubrik Offres > Immobilier > Colocations. Ebenfalls empfehlenswert sind die Seiten Location Etudiant, Erasmusu, La Carte des Colocs, Appartager und Immojeune.

 

Ein Zimmer bei einer Privatperson

Hast du es aber lieber etwas ruhiger und wünschst dir vor allem Kontakt mit den Einheimischen, kannst du ein Zimmer bei einer Privatperson mieten, die sogenannte chambre chez l’habitant. Das entspricht in etwa der deutschen Untermiete, es kann sich dabei um ein Zimmer bei einer alleinstehenden Person oder aber auch bei einer ganzen Familie handeln. Dazu empfehle ich dir die Suche auf Le Bon Coin und auf spezialisierten Webseiten wie Lokaviz, CoHomly oder France Stay.

 

Die generationenübergreifende Unterkunft

Du hast Lust, günstiges Wohnen mit sozialem Engagement zu verbinden? Dann ist  eine generationenübergreifenden Unterkunft vielleicht genau das Richtige für dich! Auf ensemble2générations oder COSI findest du Zimmer bei älteren Personen, die dich ganz oder nahezu kostenlos unterbringen – im Gegenzug für deine Anwesenheit (gemeinsame Mahlzeiten/Gespräche) und etwas Unterstützung im Haushalt.

 

Deine eigene Wohnung

Last but not least – du bist unabhängig und hättest am liebsten eine eigene Wohnung für dich allein (und kannst es dir leisten)? In diesem Fall empfehle ich dir das schon erwähnte Le Bon Coin sowie die Seiten Se Loger und De Particulier à Particulier.


Denk daran, je früher du dich nach einem Zimmer umschaust, umso besser stehen deine Chancen, pünktlich zum Semesterbeginn eine Bleibe zu haben! Warte nicht bis zum letzten Moment – leg los, sobald du eine sichere Studienzusage hast! Auch soziale Netzwerke sind übrigens eine geniale Möglichkeit, nach einer Unterkunft zu suchen! Schau dich nach Facebook-Gruppen um – Stichworte: Logement, Etudiant, Colocation (oder das gelassenere « Coloc »), Chambre… und der Name deiner zukünftigen Stadt in Frankreich natürlich!


 

1.2. Als Berufstätiger eine Wohnung in Frankreich finden

Für Berufstätige sind die Optionen bei der Wohnungssuche eingeschränkter – ein Zimmer im Studentenwohnheim ist selbstverständlich ausgeschlossen und auch eine wilde WG ist nur dann toll, wenn man am nächsten Tag nicht um acht auf der Arbeit erscheinen muss… Dafür dürftest du finanziell weniger Sorgen haben und dir statt eines lausigen 12-Quadratmeter-Zimmers eine angemessene Wohnung leisten können!

Für deine Suche empfehle ich dir die folgenden Websites:

Le Bon Coin in der Kategorie Offres > Immobilier > Locations (Vorteil: hier findest du viele Anzeigen von Privatpersonen, damit sparst du dir die teuren Honorare der Immobilienmakler).

Se Loger in der Kategorie Louer (Vorteil: mehr individuelle Suchkriterien als auf Le Bon Coin, du kannst deine Suche zum Beispiel um Elemente wie Garten, Südausrichtung oder zugehörige Garage erweitern; Nachteil: die Mehrzahl der Angebote stammt hier von Immobilienagenturen, du musst also ein Honorar in Höhe von mindestens einer Mietzahlung einrechnen).

De Particulier à Particulier in der Kategorie Location (Vorteil: wenn du dir die Maklerkosten sparen willst, bist du hier richtig – die Angebote auf dieser Seite stammen ausschließlich von Privatpersonen).

 

2. Eine Wohnung in Frankreich mieten

Du hast die passende Wohnung in Frankreich gefunden? Glückwunsch! Dann geht es jetzt in Runde zwei: den Mietvertrag vorbereiten. Dazu musst du deinem zukünftigen Vermieter zunächst ein sogenanntes Dossier Logement zusammenstellen. Wie bei der Wohnungssuche gibt es auch beim bei diesem Schritt ein paar Unterschiede zwischen Studenten und Berufstätigen.

 

2.1. Als Student eine Wohnung in Frankreich mieten

Unabhängig davon, für welche Art von Unterkunft du dich entscheidest, dein Dossier Logement muss unbedingt die folgenden Dokumente enthalten:

  • eine Kopie deines Personalausweises
  • deine Studentenkarte (oder, solltest du die noch nicht besitzen, ein certificat de scolarité, deine Einschreibebestätigung für das französische Studienjahr)
  • und die Bestätigung eines Garanten

Dein zukünftiger Vermieter – Privatperson oder Wohnheimbetreiber – will sicher sein, dass du deine Miete bezahlen kannst! Wenn du noch kein eigenes Gehalt nachweisen kannst, brauchst du dafür die schriftliche Garantie einer anderen Person, die sich für dich (und deine Mietkosten) verbürgt. Das kann ein Elternteil sein: dafür brauchst du dessen Personalausweis, einen Mietnachweis (zum Beispiel die drei letzten Wasserrechnungen –Achtung, der Mietvertrag ist keine gültige Bescheinigung!) und ein schriftlich nachweisbares festes Einkommen (Arbeitsvertrag und die letzten drei Gehaltszettel).  


Eine ausführlichere (französische) Beschreibung zu diesem Schritt findest du in diesem Artikel. Der Garant muss aber nicht zwingend ein Elternteil sein! Grundsätzlich kann sich für dich verbürgen, wer will – ich persönlich konnte zum Beispiel auf meinen Partner zählen, der zum Zeitpunkt meines Studiums in Frankreich bereits eine feste Stelle hatte und so problemlos für meine Ausgaben bürgen konnte.

Sollte diese Option für dich nicht in Frage kommen, gibt es eine tolle Alternative: die Website visale.fr bietet an, die Bürgschaft für deine Wohnung kostenlos zu übernehmen! Alles, was du in diesem Falle nachweisen musst, sind dein Personalausweis und deine Studentenkarte. Ob du Recht auf diese Garantie hast, kannst du ganz einfach hier überprüfen.

 

2.2. Als Berufstätiger eine Wohnung in Frankreich mieten

Als Berufstätiger hast du es in manchem Sinne leichter als ein Student, in Frankreich eine Wohnung zu finden. Der große Vorteil: im Gegensatz zum Studenten brauchst du nicht unbedingt jemanden, der finanziell für dich bürgt – das übernimmst du selbst! (Es kann aber trotzdem sein, dass ein Garant verlangt wird, wenn dein Nettogehalt nicht mindestens dem Dreifachen deiner Kaltmiete entspricht…)

Um das Vertrauen deines Vermieters zu gewinnen und deinen Mietvertrag erfolgreich abzuschließen, musst du als Berufstätiger ein Dossier Logement mit folgenden Dokumenten zusammenstellen:

Diese Dokumente sind Pflicht:

  • eine Kopie deines Personalausweises
  • deine drei letzten Lohnzettel oder Gehaltsabrechnungen
  • ein Mietnachweis für deine aktuelle Unterkunft (der beste Beweis, dass du ein vertrauenswürdiger Mieter bist!) – das können zum Beispiel deine letzten drei Rechnungen für Wasser, Elektrizität oder Gas sein, oder der Nachweis deiner letzten Wohnsteuer

Diese Dokumente sind nicht obligatorisch, werden aber häufig ebenfalls verlangt:

  • deine letzte Steuererklärung
  • dein Arbeitsvertrag oder eine Bescheinigung deines zukünftigen Arbeitgebers
  • die Quittierung deiner letzten drei Mietzahlungen
  • eine Bescheinigung deiner Bankverbindung
  • die Bestätigung eines Garanten


Die Bescheinigung der Bankverbindung – auf Französisch R.I.B. – Relevé d’identité bancaire – ist für das Leben in Frankreich unverzichtbar! Dem Gegenüber die persönliche IBAN und BIC zu kommunizieren, reicht hier nicht aus – der Nachweis muss offiziell vonseiten deiner Bank ausgestellt werden. Wenn du in Frankreich ein Bankkonto eröffnest, erhältst du deinen R.I.B. automatisch.

Verfügst du zu Beginn nur über ein deutsches Bankkonto, kannst du versuchen, einen Ausdruck deiner IBAN/BIC-Daten zu verwenden. Wird das nicht anerkannt, musst du bei deiner deutschen Bank nach einer Bescheinigung fragen. Aus eigener Erfahrung löst das auf leichtes Unverständnis – einen R.I.B. haben wir in Deutschland eben nicht –, wenn man sein Anliegen freundlich erklärt, erhält man aber in aller Regel einen gestempelten und unterschriebenen Nachweis. Auch wenn ein solches Dokument wenig mit einem schönen R.I.B. gemein hat (und außerdem deutsch und damit für so manchen französischen Beamten unverständlich ist) – der offizielle Touch tut’s!  


Achtung, die folgenden Dokumente darf dein Vermieter nicht verlangen:

  • eine Kopie deiner Kontoauszüge
  • eine Kopie deiner Krankenversicherungskarte
  • einen Auszug aus deinem Strafregisters
  • einen Ehevertrag
  • medizinische Unterlagen

… und alles weitere, das mit deinen Privatangelegenheiten zu tun hat! Du musst deine Solvenz in Mietangelegenheiten garantieren – nicht dein Dasein als gesunder, schuldenfreier Musterbürger!


Übrigens: Anders als in Deutschland musst du in Frankreich (als EU-Bürger) keinen Wohnsitz anmelden! Wenn du dich vor dem Umzug in deiner deutschen Gemeinde abmeldest, steht auf deinem Personalausweis künftig statt deiner Adresse: « keine Hauptwohnung in Deutschland ». Darum ist in Frankreich der Mietnachweis so wichtig! Während in Deutschland der Personalausweis dein einzig wirklich wichtiges Dokument ist, benötigst du in Frankreich für alle administrativen Schritte Personalausweis + Mietnachweis – das heißt, deine letzten Wasser-, Strom- oder Internetrechnungen! Das mag uns umständlich erscheinen, ist in Frankreich aber ganz normal.


 

2.3. Einen französischen Mietvertrag unterschreiben

Du hast es geschafft, in Frankreich eine Wohnung zu finden, dein Dossier Logement erstellt – also weiter zu deinem ersten Mietvertrag in Frankreich! Dieser contrat de location (oder contrat de bail) sieht für Studenten und Berufstätige ziemlich gleich aus und sollte unter anderem die folgenden Punkte enthalten:

  • Höhe der Miet- und Nebenkosten (loyer und charges)
  • Summe der Kaution (in der Regel eine Monatsmiete)
  • Dauer der Mietkündigungsfrist


In Frankreich besitzen viele Leute noch ein Scheckbuch! Das mag in deutschen Augen antiquiert erscheinen, ist in Frankreich aber keine Seltenheit. Die Mietkaution wird hier gerne in Form eines Schecks ausgestellt.


Dem Unterschreiben des Mietvertrags geht normalerweise ein gemeinsamer Prüfrundgang voran, der Etat des lieux. Mieter und Vermieter unterschreiben zusammen ein Dokument, das den Zustand jedes Wohnungsteils und etwaige Mängel festhält. Eine wichtige Absicherung für beide Seiten im Falle, dass am Ende der Mietzeit Mängel festgestellt werden. Dein Vermieter kann damit ersehen, ob du für neuere Mängel verantwortlich bist – aber dir keine schon bestehenden alten Mängel in die Schuhe schieben!


Vorsicht vor Betrug! Überweise auf keinen Fall eine Miete, Kaution oder Anzahlung, solange du keinen unterschriebenen Mietvertrag auf dem Tisch hast! Auch von Vorauszahlungen mehrerer Mieten rate ich dir dringend ab!


Übrigens: Als EU-Bürger hast du in Frankreich Recht auf finanzielle Unterstützung für deine Miete. Zuständig dafür ist die sogenannte CAF – die Caisse d’allocations familiales. Ob du Recht auf einen Mietzuschuss hast, kannst du in diesem Simulator berechnen. Als Voraussetzung für deinen Antrag gilt: du musst in deiner französischen Wohnung leben (hier kannst du deinen Mietvertrag als Nachweis benutzen), über ein französisches Bankkonto verfügen und eine Steuererklärung in Frankreich machen (selbst, wenn du nichts verdienst!).

 

3. Hausratsversicherung und Verträge abschließen

Deine Unterkunft in Frankreich ist gefunden, verbürgt, gemietet… das heißst, du hast es jetzt wirklich fast geschafft!

Fehlen nur noch ein paar Kleinigkeiten… wie heißes Wasser und funktionierende Lichtschalter! (Außer, du wohnst in einem Studentenwohnheim – dort sind die Stromkosten in aller Regel im Mietpreis inbegriffen). Und um eine Hausratsversicherung solltest du dich auch in keinem Falle drücken, man weiß ja nie…

 

Strom und Gas

Je nach Lage und Art deiner Wohnung in Frankreich benötigst du einen Strom- oder Gasvertrag – und in manchen Fällen beides.

Wundere dich nicht, wenn du deine erste französische Wohnung betrittst – Gasleitungen entlang der Decke des Treppenhauses sind hier keine Seltenheit! In meiner ersten Wohnung in Frankreich hing der gasbetriebene Durchlauferhitzer einen halben Meter über der Toilettenschüssel (inklusive fauchender blauer Flämmchen, sobald jemand in der Wohnung heißes Wasser laufen ließ) und die Heizrohre schlängelten sich auf Bodenhöhe entlang der Schlaf- und Wohnzimmerwände!

Gerade in älteren Gebäuden ist diese Heizmethode noch sehr gängig. An die damit verbundenen störenden Geräusche (ein langgezogenes klick-klick-klick, um die Flamme zu entzünden, gefolgt vom Rauschen des Gasfeuers und dem Knacken der Heizrohre) gewöhnt man sich… (okay, ich gebe zu, im Winter habe ich die Heizung nachts ausgeschaltet, weil sie mich doch ein ganz klein wenig um den Schlaf gebracht hat).

Kurzum, Anbieter gibt es viele, darunter die bekanntesten Konzerne EDF und Engie, aber auch viele kleinere Betreiber wie Direct Energie oder Eni. Um ein passendes Angebot für Strom und/oder Gas zu finden, rate ich dir, auf der offiziellen Seite der Regierung rund um Energie einen Preisvergleich zu machen. Damit du schnellstmöglich an Licht, Heizung und Föhn kommst, musst du deinem Anbieter folgende Daten übermitteln:

  • deinen Namen und deine vollständige Anschrift in Frankreich
  • das Datum deines Einzugs in die neue Wohnung
  • für Elektrizität: den aktuellen Stand deines Stromzählers
  • deinen R.I.B. (Bankdaten)

Überprüfe, ob der Strom vor deinem Einzug gekappt wurde oder nicht. Es kann nämlich bis zu 5 Tage dauern, bis du nach einer vollständigen Abschaltung das Licht wieder anknipsen kannst. Denk also schon eine Weile vor dem Einzug daran, deinen Vertrag abzuschließen!


 

Internet und TV

Ebenso wie für den Stromvertrag gehst du für deinen Zugang zu Internet oder einen Fernsehanschluss vor. Oft gibt es beide Anschlüsse in einem gemeinsamen Paket! Zum Preisvergleich geht’s hier.

 

Hausratsversicherung

Zu guter Letzt, vergiss nicht, deine Hausratsversicherung abzuschließen! Sowohl Versicherungsgesellschaften als auch Banken bieten dir eine Hausratsversicherung, oft auch gleich inklusive Haftpflichtversicherung, an (letztere ist zum Beispiel für Studenten verpflichtend!). Einen guten Preis-Leistungs-Vergleich findest du hier. Notwendige Dokumente für deine Versicherung sind:

  • eine Kopie deines Personalausweises
  • dein R.I.B. (oder Kontonachweis)
  • eventuell die Kopie deines Mietvertrags und ein Einkommensnachweis

 

Voilà! Du hast es geschafft!   😀

Ja, zugegeben, eine französische Unterbringung zu ergattern, geht mit viel Zeit, Kontaktfreude und dem ein oder anderen Papierstapel einher. Nichtsdestotrotz: Wenn du dich gut (und vor allem: frühzeitig!) organisierst, wirst du zweifellos die für dich passende Wohnung in Frankreich finden!

Kleiner Tipp: Mach dir am Besten eine Check-List mit den Schritten, die ich dir hier erklärt habe und fang so früh wie möglich an, einen PDF-Ordner mit allen wichtigen Dokumenten und Kopien anzulegen.

 

Bleibt nur noch, dir viel Erfolg für deinen Umzug nach Frankreich und Bienvenue en France zu wünschen!

 

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Cet article a 6 commentaires

  1. Avatar
    Andrea Schmitz

    Bonjour Magdalena !
    Quelle belle idée de faire ce blog pour aider à comprendre les deux pays !!!
    Da ich 34 Jahre in 🇨🇵 gelebt habe kenne uch dieses Land besser als Deutschland wo ich seit einem Jahr lebe… ich finde es hier viel komplizierter als in Frankreich 🙂. Alles eine Gewihnheitsfrage. Gerne würde ich Dir sagen das man in Frankreich, als Arbeitnehmer, auch oft einen Bürgen braucht denn die Regel ist das man mindestens 3x soviel verdienen muss wie die Kaltmiete (loyer sans charges), und der Chèque für die Mietkaution wird immer einkassiert, denn nach einem Jahr ist dieser nicht mehr gültig. Viel Spass bei den weiteten Artikeln 🌼

    1. Magdalena
      Magdalena

      Bonjour !
      Ja ich kann mir gut vorstellen, dass es in Deutschland für Franzosen und andere Zugezogene auch nicht einfach ist ist.
      Vielen Dank für deine Anmerkungen! 🙂

  2. Avatar
    Franzi

    Hey Magdalena,
    Ich bin gerade auf deinen Blog gestoßen und finde ihn super spannend! Cool, dass du für beide Seiten, für Deutsche und für Franzosen schreibst.
    Ich mache gerade einen Freiwilligendienst in Frankreich und bin auch schon auf so einige Probleme gestoßen, von denen du gesprochen hast: Um einen Internetvertrag abzuschließen brauche ich ein französisches Bankkonto und um ein französisches Bankkonto zu eröffnen brauche ich eine französische Handynummer und einen offiziellen Wohnungsnachweis. Und wo kriege ich ein RIB her?
    Während meines Studiums möchte ich auf jeden Fall nochmal ein Jahr in Frankreich verbringen und bin mir sicher, dass mir deine Tipps hier sehr nützlich sein werden – danke schonmal 🙂
    Ich bin gespannt auf die nächsten Posts!
    Viele Grüße,
    Franzi

    1. Magdalena
      Magdalena

      Hi Franzi,
      Freut mich, dass dir mein Blog gefällt!
      Ja, die Tücken des Bankkontos, RIB und Handyvertrags… darauf war ich zu Beginn auch gar nicht eingestellt! Ich plane auf jeden Fall schon einen Artikel ein, um das alles noch ausführlicher zu erklären 😉
      Ich wünsche dir eine tolle Zeit in Frankreich und freue mich, wenn es dich auch in Zukunft wieder hierher zieht!
      Alles Gute!
      Magdalena

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