Der PACS – « Ehe light » à la française

Der PACS – « Ehe light » à la française

Verliebt, verlobt, verheiratet? Nicht unbedingt! In Frankreich gibt es seit gut zwanzig Jahren eine spannende Alternative zur Eheschließung: den PACS. Was es damit auf sich hat und was die Vor- und Nachteile der französischen « Ehe light » sind, erfährst du hier!

 

Der PACS – eine boomende Alternative zur Ehe

Seit 2017 dürfen gleichgeschlechtliche Paare in Deutschland eine eingetragene Lebenspartnerschaft eingehen, eine eheähnliche Union. Ein Meilenstein! Oder? In Frankreich gibt es dieses Recht tatsächlich schon viel länger – und zwar seit 1999!

Damals schuf der französische Premierminister Lionel Jospin den PACS. Der steht ausgeschrieben für Pacte civil de solidarité, also einen zivilen Solidaritätspakt. Der PACS ermöglicht es seitdem gleichgeschlechtlichen Paaren, eine rechtliche Partnerschaft einzugehen, die in vielen Punkten einer Eheschließung ähnelt (seit 2013 dürfen gleichgeschlechtliche Paare in Frankreich aber übrigens auch tatsächlich heiraten).

Anders als die Lebenspartnerschaft in Deutschland ist der PACS in Frankreich jedoch nicht auf gleichgeschlechtliche Paare beschränkt: 9 von 10 PACS werden heute von Partnern unterschiedlichen Geschlechts eingegangen!

Die Zahl der Eheschließungen ist ja seit Jahren schon auf dem Rückgang. Aber in Frankreich ist sie über die letzten Jahre noch viel rasanter gesunken ist als in Deutschland. Grund dafür ist der PACS! Denn als « Ehe light » birgt der Solidaritätspakt zwar nicht alle rechtlichen Vorteile einer klassischen Ehe. Trotzdem ist er für immer mehr Paare eine attraktive Alternative: Heute zählt Frankreich jährlich fast ebenso viele neue zivile Solidaritätspakte wie Eheschließungen!

Aber was genau hat es mit dem PACS auf sich? Was sind die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zur Eheschließung? Und ist der PACS wirklich eine empfehlenswerte Alternative?

 

Voraussetzungen und Unterlagen für den PACS

Vorneweg ein paar Grundlagen: Wer einen zivilen Solidaritätspakt unterschreibt, muss mindestens 18 Jahre alt sein. Wie auch bei der Ehe ist eine nahe Verwandtschaft der Partner ausgeschlossen – und, wer hätte es gedacht, auch eine schon bestehende Ehe. Das Paar verpflichtet sich außerdem zu einem gemeinsamen Wohnsitz.

Die französische Nationalbürgerschaft ist dafür keine Voraussetzung. Allerdings brauchen ausländische Partner ein paar Dokumente mehr als französische…

 

Diese Unterlagen sind Pflicht:

Beide Partner müssen eine gemeinsame Erklärung unterschreiben, die sogenannte Déclaration conjointe d’un pacte civile de solidarité, in dem die Partner auch eidesstattlich erklären müssen, dass zwischen ihnen keine engen verwandtschaftlichen Beziehungen bestehen.

Außerdem müssen sie gemeinsam eine Convention de Pacs unterzeichnen, die alle Fragen rund um finanzielle Beteiligung und Besitztum der Partnerschaft regelt.

Französische Partner benötigen darüber hinaus ihre Geburtsurkunde und den Personalausweis.

 

Notwendige Dokumente für deutsche Staatsbürger:

Für ausländische Staatsbürger bedeutet der PACS etwas mehr Papierkram. Zusätzlich zum Personalausweis ist ebenfalls eine Geburtsurkunde nötig, allerdings in beglaubigter Übersetzung und nicht älter als 6 Monate. Wer die Kosten der Übersetzung umgehen will, kann bei der Gemeinde, in der er geboren wurde, eine internationale Geburtsurkunde verlangen. Die wird dann für eine geringe Gebühr auf Deutsch, Französisch und Englisch ausgestellt.

Hinzu kommen zwei Dokumente, die man beim französischen Service central d’Etat civil beantragen muss: Ein certificat de non-Pacs, das bescheinigt, dass man nicht bereits mit jemand anderem einen Solidaritätspakt abgeschlossen hat. Und eine attestation de non-inscription au répertoire civil – dieses Dokument weist nach, dass für den Betroffenen keine gesetzliche Bevormundung besteht.

Und nicht zuletzt ein sogenanntes certificat de coutûme, das vonseiten der  Behörden des Ursprungslandes ausgestellt werden soll, um nachzuweisen, dass man auch nach dem jeweiligen Landesrecht volljährig, unverheiratet und mündig ist.

 

Das « Certificat de Coutûme »

Tja… dieses Dokument aufzutreiben, ist für deutsche Staatsbürger leider unmöglich! In meiner französischen Gemeinde hat man mir auf Nachfrage versichert, dieses Dokument sei für einen PACS unerlässlich. Ich erkundigte mich bei meiner ehemaligen deutschen Gemeinde: Dort erklärte der Standesbeamte, er könne nur ein Ehefähigkeitszeugnis ausstellen. Kostenpunkt: 55 Euro, zuzüglich hunderter Euro an Übersetzerkosten, da dafür auch einen Stapel an Dokumenten des französischen Partners beglaubigt ins Deutsche übersetzt werden muss. Ich hakte noch einmal bei der französischen Gemeinde nach, ob certificat de coutûme und certificat de capacité matrimoniale das Gleiche seien: doch, doch, sicher, das Ehefähigkeitszeugnis sollte es sein.

Nach einigem Hin und Her und multiplen Nachfragen bei der deutschen Gemeinde kam schließlich heraus: Ein certificat de coutûme stellt Deutschland nicht mehr aus. Und zwar schon seit 1998!! Und das Ehefähigkeitszeugnis kann ganz klar nur im Fall einer Eheschließung beantragt werden. Dass die französischen Lokalbehörden darüber offenbar nicht auf dem Laufenden waren, ist ein echter Klassiker der berühmt-berüchtigten französischen Bürokratie! Um das Paradox zu umgehen (Frankreich verlangt das Dokument weiterhin), muss der deutsche Partner laut des deutschen Auswärtigen Amtes eine simple (und kostenfreie) eidesstattliche Erklärung verfassen. Anhand dieser attestation sur l’honneur erklärt er sich ganz einfach selbst für volljährig, mündig und ledig…

 

Dossier, Termin – fertig!

Hat man alle Dokumente beisammen, gibt man sie als Dossier de Pacs fertig und unterschrieben zur Überprüfung ab – entweder im Rathaus des gemeinsamen Wohnortes oder bei einem Notar. Sind alle Dokumente in Ordnung, vereinbart man einen offiziellen Termin, in der Regel an einem Wochentag, um den PACS offiziell zu bestätigen. Im Rathaus ist dieser Schritt kostenlos, beim Notar muss man dafür etwa 350 Euro einrechnen. Voilà!

Das deutsche Botschaft hat alle Infos für Deutsche, die in Frankreich einen PACS eingehen wollen, auf einem Merkblatt zusammengefasst. Es ist hier auf Deutsch und Französisch verfügbar. Und vonseiten der französischen Regierung findest du alle offiziellen Informationen und notwendigen Kontakte hier (nur auf Französisch).

Jetzt aber zum Kern der Geschichte! Was verbindet und unterscheidet PACS und Ehe?

 

Gemeinsamkeiten zwischen PACS und Ehe

Steuerliche Vorteile

Knackpunkt für viele Paare: Wie auch im Rahmen der Ehe profitieren die Partner eines PACS von einer gemeinsamen Steuererklärung und den damit einhergehenden steuerlichen Erleichterungen. In dieser Hinsicht steht der PACS der Ehe also in nichts nach – ein sehr attraktiver Vorteil!

 

Finanzielle Solidarität

Wie der Name des PACS – ziviler Solidaritätspakt – schon sagt, verpflichten sich die Partner zu finanzieller Solidarität. Soll heißen: wie in der Ehe auch werden Haushalt, Schulden und laufende Kosten von beiden Partnern im Rahmen ihrer jeweiligen Mittel getragen. Auch im Falle von Krankheit oder Arbeitslosigkeit verpflichten sich die Partner zu gegenseitigem Beistand – in finanzieller, moralischer und physischer Form.

Im Übereinkommen, das die Partner bei Abschluss ihres PACS unterzeichnen – der  Convention de Pacs – gibt es für den finanziellen Beistand zwei Optionen: Entweder, die Partner legen von vorne herein einen festen und für beide verpflichtenden Beitrag dafür fest. Oder sie wählen die Möglichkeit, jeweils proportional zu den eigenen Mitteln für den Partner einzustehen.

 

Unterschiede zwischen PACS und Ehe

Das Prinzip der Gütertrennung

Im Unterschied zur Ehe herrscht beim PACS grundsätzlich das Prinzip der Gütertrennung. Das heißt: jeder Partner ist und bleibt ausschließlicher Besitzer der vor und während des PACS von ihm erworbenen Güter. Wenn beide gemeinsam einen Kauf tätigen, gehört das Gut oder die Immobilie ihnen anteilig und proportional zum jeweils geleisteten Beitrag.

Es besteht aber auch die Möglichkeit, sich beim Abschluss des PACS für das Miteigentum zu entscheiden. In diesem Falle gehören alle angeschafften Güter und Besitztümer den Partnern zu je 50%, egal wieviel sie dazu beigetragen haben.

Im Trennungsfall hängt die Aufteilung der Güter und Besitztümer davon ab, ob die Partner sich für die Gütertrennung oder das Miteigentum entschieden haben. Alles, was einem Partner vor Abschluss des PACS gehört hat, tut es auch weiterhin. Und im Falle des Miteigentums wird alles andere halbe-halbe geteilt. Im Falle der Gütertrennung gilt allerdings: Wer Streit und Ärger vermeiden will, sollte bei größeren Anschaffungen die jeweilige finanzielle Beteiligung schwarz auf weiß dokumentieren um seine Ansprüche geltend machen zu können.

Achtung beim Hauskauf: Gehört die Immobilie im Zuge der Gütertrennung offiziell nur einem der beiden Partner hat der andere im Trennungsfall keinen Anspruch darauf und kann vom Besitzer zum Auszug verpflichtet werden.

 

 Ein Paar, zwei Familiennamen

Anders als bei der Eheschließung ist es im Rahmen des PACS nicht möglich, den Familiennamen des Partners oder einen Doppelnamen anzunehmen. Haben die Partner gemeinsame Kinder, können sie diesen allerdings einen Doppelnamen geben. Oder sich für einen der beiden Familiennamen entscheiden.

 

Die Vaterschaft

Wenn Eheleute ein Kind bekommen, geht man automatisch davon aus, dass der Ehepartner der Mutter auch der Vater des Kindes ist. Nicht so beim PACS: Hier muss der Vater das gemeinsame Kind explizit anerkennen.

Soweit also die wichtigsten Gemeinsamkeiten und Unterschiede. Im Folgenden erkläre ich dir, was den PACS wirklich attraktiv macht – und wo er für Paare problematisch werden kann.

 

Vorteile des PACS

Weniger Stress, weniger Kosten

Im Gegensatz zur Hochzeit ist die Eintragung eines PACS kein Anlass zu großen Feierlichkeiten. Es braucht weder Zeugen noch Hochzeitskleid. Der PACS ist grundsätzlich einfach nur ein ziviler Vertrag und damit von Natur aus viel weniger romantisiert ist als die Ehe. Zudem sind damit keine sozialen Erwartungen verknüpft. Das heißt, man sich hiermit viiiel Geld sparen.

Es ist natürlich möglich, den Anlass trotz allem mit Freunden und Familien zu feiern. Von  pompösen fêtes de PACS habe ich bisher aber noch nichts gehört. Einem Paar erspart der Solidaritätspakt also ganz klar die Kosten – und sozialen Verpflichtungen! – einer traditionellen Hochzeitsfeier.

 

Trennung ohne Rosenkrieg

Anwälte und Rosenkrieg – Scheidungen sind oft langwierige und teure Unterfangen. Nicht so die Auflösung eines PACS: So einfach, wie er abgeschlossen wird lässt er sich auch für null und nichtig erklären.

Dafür reicht es, dass einer der beiden Partner seine Entscheidung einem Gerichtsvollzieher verkündet. Dieser informiert dann den anderen Partner und den Notar oder die Gemeinde, bei welchen der PACS abgeschlossen wurde. Ansonsten können auch beide Partner gemeinsam ihre Trennung erklären. Günstig und unkompliziert.

 

Nachteile des PACS

Erbrecht? Nur mit Testament!

Leider birgt der PACS auch seine Schattenseiten. Wer sich um finanzielle Absicherung sorgt, ist hier klar im Nachteil: Im Todesfall eines der beiden Partner hat der andere keinerlei Anspruch auf dessen Erbe. Darum wird häufig empfohlen, zusammen mit dem PACS auch ein Testament zu verfassen. Zugegeben eine sehr unromantische Prozedur!

 

Die Sozialversicherung – eine magere Angelegenheit

Auch in Sachen Rentenversicherung gilt: Die Partner haben kein Anrecht auf Witwenrente. Anders als bei der Ehe und sogar im Scheidungsfall. Als einziger Trost wird dem hinterbliebenen Partner von der Krankenkasse des Verstorbenen ein Sterbegeld ausgezahlt, wenn das Paar sich für eine gemeinsame Versicherung entschieden hat.

Auch hier ist es für Partner eines Solidaritätspaktes also wichtig, sich über die gegenseitige finanzielle Absicherung im Todesfall Gedanken zu machen!

 

PACS – ja oder nein?

Also, ist die französische « Ehe light » nun wirklich eine lohnenswerte Alternative oder nur ein magerer Ersatz zur klassischen Variante? Kurz gesagt muss das natürlich jedes Paar selbst entscheiden.

Wollen die Partner sich gegenseitig finanziell absichern, ist der PACS nicht die optimale Lösung. Und auch für Paare, die im Rahmen der Familiengründung gerne denselben Nachnamen tragen (und ihren Kindern umständliche Doppelnamen ersparen) wollen, ist der PACS eindeutig nicht geschaffen.

Wer es dagegen gerne simpel und diskret hat und Wert auf seine Unabhängigkeit legt, ist beim PACS richtig. Partnern ermöglicht er eine geregelte gemeinsame Lebensführung ohne große Zeremonie, ungewollte finanzielle Verpflichtungen oder das Risiko einer kostspieligen Scheidung. Er ist außerdem gerade für bindungsscheue Partner eine interessante Lösung und ein unverfänglicherer Schritt als  der eheliche Schwur.

In Frankreich entscheiden sich in diesem Sinne viele Paare erst einmal entspannt für den PACS, bevor sie sich ein paar Jahre später das Ja-Wort geben – oder auch nicht. 😉

PACS

 

Magdalena

 

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Du interessierst dich auch für andere Aspekte des Lebens in Frankreich? Dann sieh dir meine Artikel zur Wohnungssuche und den ersten bürokratischen Schritten in Frankreich an!

Cet article a 2 commentaires

  1. Avatar
    Nicolas

    Hallo, interessanter Artikel. Ich hatte auch verstanden das deutsche Behörde das pacs tatsächlich nicht anerkennen ! Kann jemand das bestätigen ?

    1. Magdalena
      Magdalena

      Hallo Nicolas, vielen Dank! 🙂 Ja, da es den PACS in Deutschland nicht gibt, kann er offiziell nur für gleichgeschlechtliche Paare anerkannt werden (er entspricht damit also der deutschen Lebenspartnerschaft).

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