Feiertage in Frankreich: 14. Juli & Co.

Feiertage in Frankreich: 14. Juli & Co.

Es ist wieder soweit: Am 14. Juli feiert Frankreich seinen Nationalfeiertag! Es ist einer von mehreren Festtagen, die den französischen Kalender vom deutschen unterscheiden. Ein Pfingstmontag, an dem trotz Feiertag viele arbeiten gehen, ein Karfreitag, der nur in bestimmten Dörfern gefeiert wird… Hier findest du alle französischen Ferien und Feiertage in Frankreich im Überblick!

 

Zwei Länder – zwei Kalender!

Ostern, Pfingsten, Weihnachten, Sommer- und Winterferien… Im Großen und Ganzen haben Frankreich und Deutschland, wenn es um Schulferien und Feiertage geht, vieles gemeinsam. Beide Länder teilen ein christliches Erbe und die damit einhergehenden Festtage.

Dass es aber doch einige Unterschiede gibt, ist mir in meinem ersten Jahr in Frankreich schnell klar geworden. Eine verwirrende Erfahrung! Wo sind plötzlich die Semesterferien im Frühjahr geblieben? Und warum gehen am Pfingstmontag trotz des Feiertags so viele Leute arbeiten – am 11. November aber nicht?

Fangen wir von vorne an.

Frankreich zählt 11 landesweite gesetzliche Feiertage, zwei mehr als Deutschland. Hinzu kommen ein paar Ausnahmen im Elsass und im Departement Moselle sowie für die französischen Überseegebiete.

Auch an Schulferien bekommen Franzosen ein wenig mehr ab als Deutsche: Ein französischer Schüler muss im Jahr mindestens 36 Wochen lang die Schulbank drücken. Auf deutscher Seite sind es je nach Bundesland zwischen 38 und 42!

Anders als in Deutschland unterscheidet sich in Frankreich der schulische dafür nicht vom universitären Kalender.

Aber woher kommen denn nun die zusätzlichen Feier- und Ferientage? Und worin genau unterscheiden sich der deutsche und der französische Jahreslauf?

Am besten, wir schauen uns das einmal etwas genauer an… 😉

 

Die Feiertage in Frankreich im Überblick

 

Neujahr

Das neue Jahr beginnt in Frankreich zwar ohne Feuerwerke, dafür aber wie in Deutschland mit einem Feiertag. Ganz einfach. Alles klar soweit.

 

Ostern

Hier wird es schon etwas komplizierter. Den Karfreitag gibt es in Frankreich nicht. Außer in den elsässischen Departements Haut-Rhin und Bas-Rhin sowie in der Moselle

Die haben nämlich während ihrer Zeit als deutsche Gebiete (von 1871 bis 1918) das französische Gesetz von 1905 über die Trennung von Staat und Kirche verpasst! Bei der Wiedereingliederung in Frankreich behielt das ehemalige « Reichsland Elsass-Lothringen » die ursprüngliche Regelung bei. Diesem bis heute gültigen Sonderstatus verdanken die betroffenen Departements den Karfreitag.

Aber Achtung! Der Feiertag gilt nicht in allen Gemeinden! Sondern nur in denen, die auch über eine protestantische Kirche verfügen. Oder eine sogenannte église mixte – ein Gotteshaus, das für jede Art von christlicher Messe offen steht…

Der Ostermontag ist dann aber wieder ein ganz normaler landesweiter Feiertag. Wie in Deutschland auch. Uff.

 

Tag der Arbeit

Ebenso wie in Deutschland geht in Frankreich am Tag der Arbeit niemand arbeiten. Der 1. Mai ist in Frankreich ein gesetzlicher Feiertag. Und der einzige, an dem das Abfeiern fast ausnahmslos obligatorisch ist. 😉

 

Tag des Sieges

An nächster Stelle steht im französischen Kalender dann ein Tag, der den Franzosen bis heute in schönster Erinnerung bleibt… Jedes Jahr am 8. Mai feiert Frankreich die Fête de la Victoire – den Tag des Sieges von 1945.

Für mich als deutsche Bürgerin ist das sicherlich der unbequemste aller Feiertage in Frankreich… Auch wenn ich mich über den zusätzlichen freien Tag freue, ist es ein sonderbares Gefühl, einen Festtag zu begehen, der für Deutschland den absoluten Tiefpunkt eines dunklen und beschämenden Geschichtsabschnitts markiert.

Aus französischer Sicht ist dieser Feiertag natürlich mehr als verständlich. Schließlich markiert er hier das Ende der deutschen Besatzungszeit – und die Wiedergeburt Frankreichs als freie Nation!

 

Christi Himmelfahrt

Die Ascension wird in Frankreich ebenso wie in Deutschland als landesweiter gesetzlicher Feiertag begangen. Und genießt dieselbe Beliebtheit als Brückentag für ein langes Maiwochenende… Je nachdem, auf welchen Tag Christi Himmelfahrt fällt, erklären die französischen Schulen dieses lange Wochenende, den pont, sogar zu kurzen Ferien.

 

Pfingsten

Ein Feiertag, der keiner ist! Oder doch? In Frankreich handelt es sich beim Pfingsmontag, Lundi de Pentecôte, in gewisser Weise um ein falsches Versprechen…

Mit anderen Worten: Der Pfingstmontag ist in Frankreich ein gesetzlicher Feiertag. Aber die meisten Franzosen arbeiten trotzdem. Und werden dafür nicht einmal bezahlt!

Was es damit auf sich hat? Seit 2004 existiert in Frankreich der sogenannte Solidaritätstag, die Journée de solidarité. Den hat damals der französische Premierminister Jean-Pierre Raffarin eingeführt, nachdem eine Hitzewelle im Jahr 2003 fast 20 000 Opfer gefordert hatte. Im Rahmen des Solidaritätstags muss seitdem jeder französische Arbeitnehmer einen Tag im Jahr auf sein Gehalt verzichten. Das so gesparte Geld wird der Unterstützung von Senioren und Personen mit Behinderung gewidmet.

Zur Einführung dieses Solidaritätstages sollte allerdings ein Feiertag geopfert werden. Die Wahl fiel auf den Pfingstmontag, dem sein Status als arbeitsfreier Tag 2004 entzogen wurde. Da dies vielerseits auf Ablehnung stieß, ruderte die Regierung 2008 zurück und erklärte den Lundi de Pentecôte wieder zum Feiertag. Wirklich geklärt hat das aber bis heute wenig…

Der Solidaritätstag ist heute zwar nicht mehr auf ein Datum fixiert. Jedes Unternehmen kann selbst entscheiden, welchen Tag im Jahr es zur Journée de solidarité bestimmen will. Kraft der Gewohnheit wählen allerdings nach wie vor viele Unternehmen den Pfingstmontag, um von ihren Angestellten die unbezahlten 7 Arbeitsstunden einzufordern. Französische Arbeitnehmer haben nun die Qual der Wahl: Am Pfingsmontag (oder einem anderen gesetzlichen Feiertag) arbeiten und nichts verdienen. Oder das lange Wochenende genießen – und dafür einen bezahlten Urlaubstag opfern…

 

Der französische Nationalfeiertag

französische revolution frankreichKommen wir zum wohl wichtigsten aller Feiertage in Frankreich! Wer im Geschichtsunterricht aufgepasst hat, weiß: Der 14. Juli ist den Franzosen heilig.

Er markiert das wohl bedeutendste und prägendste Geschehnis der neueren französischen Geschichte: Den Sturm auf die Bastille zu ebenjenem Datum des Jahres 1789. Das Ereignis steht im Zentrum der Französischen Revolution, die in Frankreich zur Abschaffung des Absolutismus geführt und das Zeitalter der Aufklärung einläutet hat.

Seit 1880 ist der 14. Juli nun der französische Nationalfeiertag. Er verkörpert die von der Revolution geprägte nationale Losung – Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit.

revolution feiertage in frankreichUnd alles, worauf Franzosen noch heute stolz sind – ihr Land, ihr freiheitliches Denken und ihren revolutionären Geist. (Auf den sich zum Beispiel auch während der Gelbwestenbewegung gerne berufen wurde…)

Gefeiert wird der 14. Juli in ganz Frankreich mit großen öffentlichen Feuerwerken. Die dieses Jahr im Zuge der Corona-Krise allerdings vielerorts auszufallen drohen! Die üblichen Ansammlungen (bis zu 50 000 Besucher etwa beim jährlichen Feuerwerk in Versailles!) gilt es schließlich zu vermeiden…

 

Mariä Himmelfahrt

Die Assomption ist in Frankreich ein landesweiter Feiertag und unterscheidet sich darin von Deutschland, wo Mariä Himmelfahrt nur in einigen Bundesländern begangen wird. Aber kein Wunder: Die Heilige Jungfrau ist schließlich die Schutzpatronin ganz Frankreichs!

Seinen Ursprung als Festtag von nationaler Bedeutung hat Mariä Himmelfahrt in Frankreich im 17. Jahrhundert: Im Jahr 1638 rief König Louis XIII. im ganzen Land zu Prozessionen zu Ehren der Jungfrau Maria auf. In der Hoffnung auf einen Thronfolger versprach er, der Heiligen sein Königreich zu widmen. Ein Mann, ein Wort: nach der Geburt seines ersten Sohnes im folgenden Jahr erklärte der dankbare König den 15. August zur Nationalfeier.

Auch für Napoleon I. war der 15. August von großer Bedeutung. Er ließ an diesem Tag nicht nur ein religiöses und nationales Andenken, sondern auch seinen persönlichen – kaiserlichen ! – Geburtstag feiern!

Und seit 1880 zählt die Assomption dank Napoleon III. tatsächlich fest zu den offiziellen französischen Feiertagen.

 

Allerheiligen

Ebenso wie Mariä Himmelfahrt wird auch die Toussaint in Frankreich landesweit begangen. Anders als in Deutschland, wo Allerheiligen erneut nur in einigen Bundesländern als Feiertag gilt…

 

Der Tag des Waffenstillstands von Compiègne

Noch ein Feiertag, der in Frankreich einem Kriegsende gewidmet ist… Am 11. November feiern Franzosen bis heute den WaffenstillstandL’Armistice – von 1918!

feiertage in frankreichAlljährlich wird an diesem Tag in Frankreich der Gefallenen des ersten Weltkrieges gedacht. Anders als in Deutschland existiert bei unseren französischen Nachbarn eine eindrückliche Erinnerungskultur rund um diesen Weltkrieg, der in Frankreich nur als La Grande Guerre – der große Krieg – bezeichnet wird.

Jede Stadt, jedes Dorf, jeder Weiler besitzt hier sein eigenes Monument aux Morts (ein Gefallenendenkmal)! Und auch nach 102 Jahren noch versammeln sich an dieser Stele alljährlich die Einheimischen, um in einer andächtigen Zeremonie die Erinnerung an dieses Kapitel der Geschichte und seine Opfer aufrecht zu erhalten.

 

Weihnachten

Kommen wir zum letzten der französischen Feiertage! Ja, richtig, nur ein freier Tag wird in Frankreich dem WeihnachtsfestNoël – gewidmet, der 25. Dezember.

Einzige Ausnahme: Die Departements Haut-Rhin, Bas-Rhin und Moselle, die im Rahmen ihres Sonderstatus, wie auch in Deutschland, den 26. Dezember als zweiten Weihnachtsfeiertag begehen.

 

Abschaffung der Sklaverei

Nicht zu vergessen, Frankreich beschränkt sich nicht nur auf das Gebiet, das auf der Karte direkt an Deutschland grenzt. Es umfasst, neben der Insel Korsika, auch 5 Überseedepartements – Guadeloupe, La Réunion, Französisch-Guayana, Martinique und Mayotte.

In diesen ehemaligen Kolonien existiert je ein Feiertag zur Abschaffung der Sklaverei. Und mit einem zusätzlichen Karfreitag zählen Martinique und Guadeloupe die meisten Feiertage in ganz Frankreich!

 

Die französischen Schul- und Semesterferien

So weit, so gut.

Die 11 Feiertage in Frankreich sind in Wirklichkeit nur 10 arbeitsfreie Tage. Oder eben 12 – wenn man im obersten Nordosten Frankreichs lebt! Da lassen wir mal lieber die Kirche im Dorf 😉

Aber wie sieht es in unserem Nachbarland mit den Ferien aus?

 

Vier Verschnaufpausen – und ein langer Sommer

Das Schuljahr beginnt in Frankreich Anfang September. Und anders als in Deutschland ist der Kalender für Studierende identisch. Statt im Oktober beginnt das Wintersemester also ebenfalls Anfang September (stellenweise sogar schon Ende August).

Bis zum Jahresende, in der Regel Anfang Juli, haben französische Schüler (und Studierende) viermal Ferien:

  • Eine Herbstwoche rund um Allerheiligen (vacances de la Toussaint).
  • Zwei Wochen Ferien rund um Weihnachten und Neujahr (vacances de Noël).
  • Noch einmal zwei Wochen Winterferien im Februar oder März (vacances d’hiver).
  • Und ebenfalls zwei Wochen Frühjahrsferien zwischen Mitte April und Anfang Mai (vacances de printemps).

Und nach einem vollen Schuljahr mit seinen 7 Ferienwochen stehen wie bei uns die Sommerferien vor der Tür. Diese vacances d’été oder grandes vacances sind in Frankreich länger als in Deutschland – 8 Wochen dauert die schulfreie Zeit hier an!

So erklärt sich denn auch, warum französische Schüler insgesamt seltener die Schulbank drücken… In Deutschland kommt ein Schüler in der Regel nur auf insgesamt 13 Wochen Ferien im Jahr.

Semesterferien? Welche Semesterferien?

Dafür genießen deutsche Studierenden aber oft deutlich längere Semesterferien. Wie schon gesagt, in Frankreich gilt derselbe Kalender für Schulen und Universitäten. Nach den Prüfungen am Ende des Wintersemesters geht es also direkt mit dem Sommersemester weiter!

Wer wie ich ein anständiges Durchatmen nach dem Prüfungsstress gewohnt ist, wird den französischen Rhythmus sicher gewöhnungsbedürftig finden. Zumal die Prüfungen am Ende des ersten Semesters meist auf Anfang Januar fallen. Und damit die vorangehenden Weihnachtsferien ein ganz klein wenig ruinieren…

frankreich allemagne

Das französische Sommersemester endet dafür in der Regel schon Ende April oder Anfang Mai. (Gleich nach den Prüfungen, die hier immer in der Woche nach den Frühjahrsferien geschrieben werden. Auch hier ist von Urlaub oder Erholung leider wenig Rede…)

Das Ende der Kurse heißt aber nicht, dass Studierende sich nun endlich bis September auf die faule Haut legen oder Zeit für große Reisen nehmen könnten! Denn dem französischen Studienjahr folgen oft noch Abschlussarbeiten oder bis zu viermonatige Pflichtpraktika.

 

Nicht alle auf einmal!

Noch etwas: Ähnlich wie in Deutschland haben nicht immer alle französischen Schüler und Studierenden gleichzeitig Ferien. Um den Urlauberandrang vor allem in der Skizeit zu vermeiden, ist Frankreich in drei Zonen eingeteilt – A, B und C. Von diesen dreien ist allerdings nur die Zone A geographisch zusammenhängend. B und C schließen jeweils unterschiedliche nördliche und südliche Teile Frankreichs ein.

Während die deutsche Rotation nur auf die Sommerferien angewandt wird, gelten die französischen Zonen ausschließlich während der Winter- und Frühjahrsferien. Die beginnen in den drei Zonen dann jeweils um eine Woche verschoben. Und erstrecken sich also zusammengenommen über einen ganzen Monat.

 

Feiertage in Frankreich, Feiertage in Deutschland… Hauptsache, es macht Spaß!   

Fassen wir zusammen: Der französische Kalender sieht insgesamt mehr Feiertage und längere Ferien vor als der deutsche. Was aber letztendlich nicht unbedingt mehr Freizeit bedeutet.

Denn Frankreich zählt zwar mehr Feiertage und Ferienwochen als Deutschland – aber eben auch seinen Solidaritätstag und fiese Prüfungszeiten… 😉

Aber ein paar Tage hin oder her – alles in allem sind sich der deutsche und französische Kalender doch sehr ähnlich.

Und statt auf Karfreitag und den Tag der deutschen Einheit freue mich nun eben auf die zusätzlichen Feiertage in Frankreich. Auf stressfreie Momente mit Freunden und Familie. Auf gutes Festtagsessen.

Und natürlich ganz besonders auf das alljährliche Feuerwerk zum 14. Juli!

Magdalena

 

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