Auf den Spuren der französischen Spezialitäten: eine kulinarische Reise

Auf den Spuren der französischen Spezialitäten: eine kulinarische Reise

Steigende Coronazahlen, Risikozonen, Reisewarnungen: Die weltweite Lage lädt diesen Herbst nicht gerade zu Urlaubsträumen ein. Aber wie der ein oder andere während der Ausgangsbeschränkungen dieses Frühjahr gelernt hat: Reisen kann man auch vom Sofa aus! Wie wäre es zum Beispiel mit einer Entdeckungstour auf der Spur der bekanntesten französischen Spezialitäten? Hiermit lade ich dich zu einer kulinarischen Reise quer durch Frankreich ein!

Essen wie Gott in Frankreich…

Schon als Kind war der Familienurlaub in Frankreich für mich immer Synonym für gutes Essen. Frische Baguettes und Croissants, duftender Käse, aromatische Oliven – beim Besuch einer französischen Bäckerei oder dem Spaziergang auf einem provenzalischen Wochenmarkt läuft einem ganz einfach das Wasser im Mund zusammen!

 

 Französisch essen: Ein Weltkulturerbe!

Und der erste Aufenthalt in einer französischen Gastfamilie war für mich ein kulinarisches Erlebnis! Denn in Frankreich wird nicht nur an Sonn- und Feiertagen, sondern selbst bei der einfachen Mahlzeit unter der Woche viel Wert auf das Essen gelegt. Vorspeise, Hauptspeise, Käseplatte, Nachspeise: Jede Mahlzeit ist ein kleines Ritual für sich. 2010 ist die französische Art zu speisen sogar zum immateriellen UNESCO-Weltkulturerbe erklärt worden!

Ganz klar, in Frankreich isst man gerne, herzhaft und vor allem: gemeinsam. Mindestens eine Mahlzeit am Tag wird im Kreise der Familie eingenommen. Wie es die UNESCO so schön erklärt hat: In unserem Nachbarland ernährt man sich nicht einfach nur. Das Essen ist dort eine soziale Praxis, die dazu dient, die wichtigsten Momente im Leben zu teilen.

 

Essen, um zu leben? Leben, um zu essen!

Als ich vor ein paar Jahren bei meiner ersten Gastfamilie ankam, ahnte ich davon nichts. Zum Abendessen gab es Salat und eine hausgemachte Pizza, an denen ich mich, im Glauben, das einzige Gericht des Abends vor mir zu haben, zufrieden satt aß. Ein großer Fehler!

Denn es handelte sich tatsächlich nur um die entrée, die Vorspeise! Es folgte eine reichhaltige Hauptspeise (plat principal). Dann eine von Rotwein begleitete Käseplatte, die so appetitlich aussah, dass ich nicht umhinkonnte, trotz meines zum Platzen vollen Bauches jeden einzelnen Käse zu probieren. (Was in Frankreich nur zusammen mit einer dicken Brotscheibe möglich ist.) Und schließlich ein himmlisches Dessert (dass ich schuldbewusst bis zum letzten Löffelchen verdrückte).

So ging es jeden Tag so, mittags und abends. Kein Wunder, dass ich von meinem zweiwöchigen Ausflug nach Frankreich mit ein paar zusätzlichen Kilos nach Hause kam! Aber auch einer unerschütterlichen Liebe zum französischen Essen. Inzwischen habe ich angesichts des kulinarischen Marathons bei größeren (und kleineren) Anlässen aber zum Glück gelernt, mich bei den einzelnen Gängen zurückzuhalten.

Und ganz besonders beim berüchtigten Apéro! Im Freundeskreis oder anlässlich von Familienfeiern ist der Aperitif nämlich unumgänglich. Und zum Leidwesen aller, die mit krachendem Magen eingetroffen sind, vergeht gerne mal eine gute Stunde mit gemütlichem Anstoßen, bevor es überhaupt zu Tisch und Vorspeise geht. Die dazu gereichten Oliven, Pastetchen, Chips und Knabbergebäck erweisen sich während des hungrigen Wartens als tückische Kalorienfalle…

 

Auf der Spur der französischen Spezialitäten

Kurzum, die französische Mahlzeit ist ein Fest der Sinne – und die französische Küche nicht umsonst weltberühmt. Um in ihren Genuss zu kommen, muss man aber nicht gleich nach Frankreich reisen – viele Rezepte sind ganz einfach zuhause nachzukochen. Bereit? Dann los zu unserer kulinarischen Reise auf den Spuren der französischen Spezialitäten! 😀

 

Der Klassiker: Baguette, Käse, Rotwein

französische spezialitätenDer Klassiker der französischen Spezialitäten wäre eigentlich schon für sich eine Reise wert: eine Stange Baguette mit Käse und einem Glas Rotwein.

Weich, knusprig, verdreht, mit einer oder zwei Spitzen (die quignons) an jedem Ende – allein für das Baguette gibt es in ganz Frankreich unzählige leckere Varianten.

Nicht zu sprechen vom französischen Käse. Wie Winston Churchill einmal gesagt haben soll: Ein Volk, das über 325 Käsesorten besitzt, sei unregierbar. In der Tat hat jede Ecke Frankreichs ihre eigene Käsespezialität – Spiegelbild der unglaublichen Vielfältigkeit der Regionen, Leute und Geschmäcker in unserem schönen Nachbarland! Camembert aus der Normandie, Blauschimmelkäse aus der Auvergne, Reblochon und Beaufort aus der Savoie, Comté aus dem Jura, Munster aus dem Elsass, Roquefort aus dem Aveyron… Für Käseliebhaber ist Frankreich eine gefundene Schatzinsel!

Nicht anders verhält es sich mit dem französischen Wein. Frankreich ist bis heute das weltweit wichtigste Weinanbaugebiet – und die hier gewonnenen Tropfen gelten unter vielen Kennern als die besten der Welt! Und wie auch die Käsesorten sind die unzähligen französischen Weine so vielfältig wie das Land selbst…

Also gleich ein erster kulinarischer Reisetipp: Im Käseladen ein paar französische Sorten ergattern, dazu eine Flasche französischen Weines und ein Baguette (auch wenn das deutsche Baguette nicht mit dem französischen vergleichbar ist). Und den Abend, am besten in guter Gesellschaft, auf einer gemütlichen geschmacklichen Entdeckungstour verbringen.

 

Coq au vin

Spätestens seit Til Schweigers « Kokowääh » genießt dieser Klassiker unter den französischen Spezialitäten auch in Deutschland große Bekanntheit. Der Coq au vin (Hahn mit Wein) ist typisch für die nordostfranzösische Weingegend Burgund. In ganz Frankreich dürfte es davon aber wohl ebenso viele Varianten wie Weinbauregionen geben!

Wer genügend Zeit und Lust hat, kann das Hähnchen schon am Vortag marinieren und eine echte Gemüsebrühe dazu kochen. Es geht aber auch einfacher: Hähnchen zerteilen, von allen Seiten in Öl oder Gänsefett goldbraun anbraten, mit Thymian und Gemüse nach Wahl in einen Bräter geben, Wein und Bouillon angießen, 45 Minuten schmoren lassen, fertig.

Ein klassisches Rezept findest du hier, die schnellere Variante hier.

 

Boeuf bourgignon

Noch ein Klassiker aus dem Burgund! Das Boeuf bourgignon heißt zu Deutsch ganz schlicht Burgundisches Rind und ist ein herzhaftes Schmorgericht. Auch in diesem Rezept spielt der Wein die Starrolle.

Das Prinzip: Wie auch beim Coq au vin wird gewürfeltes Rindfleisch samt Gemüse in Rotwein geschmort – allerdings deutlich länger, zwischen 3 und 4 Stunden! Die Zubereitung selbst geht aber ganz einfach und schnell.

Ein klassisches Rezept fürs Boeuf bourgignon findest du hier.

 

Ratatouille

Wie wäre es, nach unserem deftigen Abstecher ins Burgund, mit einer etwas leichteren und vor allem vegetarischen Speise? Auf in den sonnigen Süden Frankreichs, zu einer der wohl bekanntesten französischen Spezialitäten: dem Ratatouille.

ratatouilleMit sonnenbeschienenen Auberginen, knackigen Zucchini und prallen Tomaten ist dieses Gericht ein sommerlicher Klassiker. Dank der herrlichen provenzalischen Kräuter, Rosmarin, Thymian, Salbei und wenn möglich sogar Lavendelblüten schmeckt dieses Pfannengericht ganz einfach nach Urlaub im Süden. Als vegetarisches Hauptgericht passt das Ratatouille gut zu Reis, aber es ist auch eine fantastische Begleitung für Fleisch- und Fischgerichte.

Zum Rezept geht es hier.

 

Soupe au Pistou

Und wo wir schon in Südfrankreich sind, hier gleich noch ein provenzalisches Rezept – nebenbei mein absoluter Liebling unter allen französischen Spezialitäten! Vorhang auf für die Soupe au Pistou! Wie der Name schon sagt, handelt es sich hier um eine Suppe. Aber Vorsicht! Hinter dieser schlichten Bezeichnung versteckt sich ein üppiges Sommergericht!

Die Grundlage bildet auch hier alles, was der sommerliche Garten herzugeben hat: Frische Bohnen, Zwiebeln, Knoblauch, Basilikum, Tomaten und Zucchini. Die genaue Zusammensetzung ist allerdings von Haushalt zu Haushalt anders: Jede provenzalische Hausfrau, sagt man, hat für diesen Klassiker ihr eigenes Geheimrezept.

Ich gebe dir hier meine persönliche Variante weiter, die ich wiederum von meiner französischen Schwiegermutter abgeschaut habe. (Allerdings kochen wir beide immer nach Gefühl, daher sind die Angaben nicht exakt :D)

Für die Suppe:

Eine große gewürfelte Zwiebel, je nach Größe 2-3 klein geschnittene Zucchini, 300-400g frische, in ca. 4-5cm lange Stücke gebrochene Stangenbohnen, 200-300g frische weiße Bohnen, eine große, reife Tomate und eine Kartoffel in einem großen Topf Wasser (das Gemüse sollte gut bedeckt sein) weichkochen.

Für das « Pistou »:

Während das Gemüse gart, bereitest du das wahre Herzstück des Rezeptes zu: das Pistou. Für diese aromatische Paste zerdrückst du viel Knoblauch, je nach Geschmack einige Zehen bis hin zu einer ganzen Knolle (ich empfehle ausdrücklich letzteres!). Und auch ein gesamter Bund Basilikum muss durch die Knoblauchpresse. Beides wird anschließend mit der in der Suppe mitgegarten und gehäuteten Tomate sowie der ebenfalls gegarten und gepellten Kartoffel und viel Olivenöl püriert (soviel, dass die Paste schön sämig ist) und mit Salz und Pfeffer abgeschmeckt.

Ist das Gemüse weich, kommen zusätzlich etwa 250-300g Nudeln mit in den Topf (auch hier, je nach Haushalt alles zwischen Spaghetti und Suppennudeln), und zuletzt das Pistou. Im Teller wird diese herrlich duftende Suppe dann noch kräftig mit geriebenem Käse bestreut. (Klassischerweise mit holländischem Käse wie zum Beispiel Gouda oder Mimolette, aber auch Parmesan macht sich wunderbar).

Wie gesagt, die Soupe au Pistou hat es in sich und kommt gut ohne Vor- und Nachspeise aus! Ich zumindest verzichte gerne auf beides, wenn dafür Platz für einen kräftigen Nachschlag bleibt! 🙂

 

Pissaladière

Du möchtest noch eine Weile im warmen Süden bleiben? Dann weiter an die Côte d’Azur, genauer gesagt nach Nizza! Aus dieser Stadt stammt die Pissaladière – ein einfacher aber äußerst schmackhafter Zwiebelkuchen.

Das Rezept ist so simpel wie lecker: Pizzateig mit gebratenen und gewürzten Zwiebeln, Sardinen und Oliven belegen, ab in den Backofen, fertig. Und, schmeckst auch du das Meer und die Sonne Südfrankreichs?

Ein schönes Rezept dafür gibt es hier.

 

Tarte flambée

tarte flambéeWo wir schon bei Teig und Backofen sind: Wie wäre es als nächstes mit einer knusprigen Tarte flambée? Für den Flammkuchen müssen wir allerdings wieder ein Stück nach Norden reisen, ins schöne Elsass.

Die Grundlage der Tarte flambée bildet ein hauchdünner Mürbteig. Darauf kommen in der klassischen Variante gewürzte Crème fraîche, gedünstete Zwiebelstreifen und saftiger Speck. Aber auch als Nachspeise, etwa mit flambierten Äpfeln, ist der Flammkuchen eine wahre Gaumenfreude! Und selbstverständlich ist ein Glas kühlen Weißweins vom Elsässer Flammkuchen kaum wegzudenken. Santé !

Zum pikanten Rezept geht es hier, zum süßen Rezeptvorschlag hier.

 

Quiche Lorraine

Vom Elsass ist es nur ein Katzensprung ins benachbarte Lothringen, wo ein weiterer Klassiker der französischen Küche auf uns wartet: die Quiche Lorraine. Warm wie kalt genossen, ist diese Quiche der Renner für Picknicks und Mittagspausen und täglich in fast jeder Boulangerie zu finden.

Wie auch beim Flammkuchen spielen Mürbteig, Zwiebeln und Speck bei dieser Spezialität die Hauptrolle. Aber, wie bei einer Quiche so üblich, kommen hier auch noch Eier und Sahne hinzu. Abgerundet wird das deftige Rezept von einer Stange Porree.

Ein Rezept für diesen Klassiker aus dem Nordosten Frankreichs findest du hier.

 

Moules Frites

moules fritesHast du noch Platz im Bauch? Dann weiter Richtung Atlantikküste! Die Moules Frites sind zwar, um genau zu sein, belgischen Ursprungs, erfreuen sich aber auch in Nordfrankreich, der Bretagne und der Normandie, großer Beliebtheit. (Und stehen nebenbei auch in vielen Bistros im Rest des Landes regelmäßig auf dem Menü.)

Bei Moules Frites handelt es sich nicht, wie der Name vermuten lässt, um frittierte Muscheln, sondern um Miesmuscheln mit Pommes Frites. Die Meeresfrüchte werden in einem leckeren Gemüsesud gegart.

Ein schön illustriertes Rezept für diesen Klassiker findest du hier.

 

Bouillabaisse

Generell sind Meeresfrüchte in Frankreich sehr beliebt. Zu Weihnachten gibt es zum Beispiel vielerorts Garnelen. Und mit seinen zwei Küsten, entlang des Atlantiks und des Mittelmeers, wartet unser Nachbarland natürlich mit einer ganzen Reihe von Fischgerichten auf. Dazu zählt auch die berühmte Bouillabaisse – eine provenzalische Spezialität, für die wir gern nochmal einen Abstecher in den Südosten Frankreichs machen 😉

Für dieses Rezept kocht man zum einen eine deftige Fischsuppe. Zum anderen bereitet man eine sogenannte Rouille zu – eine sämige Paste mit Pfefferschoten, Fischfond, Safran und Knoblauch. Diese Paste begleitet die Fischsuppe anschließend als Aufstrich mit einem frischen Stück Baguette.

Zum Rezeptvorschlag für diesen leckeren Klassiker geht es hier.

 

Cassoulet

Von der Provence aus queren wir das Land nun Richtung Südwesten. Hier, im Languedoc, ist eine der gehaltvolleren unter den französischen Spezialitäten beheimatet: das Cassoulet.

Dieser traditionelle Eintopf hat es in sich! Speck und Würstchen teilen sich den Topf mit Schweine-, Enten-, Lamm- oder Rindfleisch, Schmalz und Bohnen. Dieses herzhafte Gericht wird vor allem im Winter gekocht, wenn die Kälte Lust auf Speck & Co. macht…

Eine deutsche Rezeptvariante – ohne die Würstchen aus Toulouse, die im französischen Original dazugehören – findest du hier.

 

Raclette

Und nachdem die Tage langsam kälter werden, ist es auch Zeit für einen großen Liebling der Franzosen: die Raclette! Dieses gehaltvolle Wintergericht Schweizer Ursprungs erfreut sich natürlich in der Alpengegend, aber auch in ganz Frankreich enormer Beliebtheit. Im Herbst und Winter ist die Raclette ein absoluter Klassiker für Abende unter Freunden.

die französischen spezialitäten racletteZu einem erfolgreichen Raclette-Abend zählen: Natürlich jede Menge Raclette-Käse, außerdem gegarte Kartoffeln und als Beilage in der Regel eine deftige Wurst- und Schinkenplatte. (Der Form halber stellt man oft auch eine Schüssel Salat dazu, aber im Ernst: Ich kenne niemanden, der zu einer Raclette wirklich Salat ist. Bei einem so leckeren Gericht zählt jeder Quadratmillimeter Platz im Bauch!)

Für eine Raclette braucht man natürlich auch den dazugehörigen Apparat, um den Käse zu schmelzen, den es anschließend über die Kartoffeln zu gießen gilt. Die verbreitetste Variante besitzt 4 bis 8 kleine Pfännchen, damit jeder am Tisch den in Scheiben geschnittenen Käse nach Bedarf schmelzen kann. (Alternativ ist es aus eigener Erfahrung auch möglich, die Scheiben in der Pfanne zu schmelzen. Allerdings deutlich weniger praktisch, vor allem, wenn man mit mehreren Freunden am Tisch sitzt.)

 

Viel Spaß beim Ausprobieren!

Voilà ! Nach diesem gehaltvollen Finale legen wir am besten eine kleine Pause ein und machen uns auf den Rückweg von unserem Ausflug ins Frankreich der Geschmackssinne. Keine Angst, die nächste Tour ist schon in Planung… Urlaubsziel: die französischen Desserts!

Ich hoffe, diese kleine kulinarische Entdeckungsreise hat dir Spaß gemacht – und natürlich Lust auf die wunderbaren französischen Spezialitäten! Ob mit Familie oder Freunden, ob mit oder ohne Entrée, Käseplatte und Nachtisch: Ich wünsche dir viel Freude beim Entdecken, Nachkochen – und Bon Appétit!

 

Magdalena

 

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